Raffinierte Vermehrung des Kleinen Moorbläulings

14. August 2017

Eine bedeutende aber gefährdete Population des vom Aussterben bedrohten Kleinen Moorbläulings lebt am Pfannenstiel im Kanton Zürich. Dank dem Naturnetz Pfannenstil ist der Schmetterling nun wieder häufiger zu beobachten.

Die weissen Flecken sind übrigens kein Pilzbefall, sondern die Eier, die das Weibchen des seltenen Kleinen Moorbläulings an den Knospen des Lungen-Enzians ablegt. Die ausschlüpfenden Raupen fressen sich dann ins Innere der Blüten.

Der Kleiner Moorbläuling (Phengaris alcon) wird auf der Roten Liste bedrohter Arten der Schweiz als «stark gefährdet» eingestuft. «Auf mehreren Riedwiesen am Pfannenstiel am Zürichsee lebt eine bedeutende Population des auch als Lungenenzian-Ameisenbläuling bekannten Flachmoorspezialisten», sagt ETH Biologe Christian Wiskemann vom Naturnetz Pfannenstil. Laut einem Artenschutzprojekt des Kantons Zürich, kommen auf Flächen der Gemeinden Küsnacht, Herrliberg und Meilen rund 200 Falter des Kleinen Moorbläulings vor. Dieser vom Aussterben bedrohte Schmetterling habe im Kanton Zürich einen Verbreitungsschwerpunkt. «Deshalb hat der Kanton eine grosse Verantwortung für den Schutz und Erhalt der Art», betont Christian Wiskemann.

Anspruchsvoll und gerissen

Wieso der Tagfalter inzwischen selten geworden ist, hat seinen Grund in den speziellen Ansprüchen an seine Lebensräume und Lebensweise. Für seine Arterhaltung benötigt er nämlich ausschliesslich Blüten des Schwalbenwurz-, Lungen- oder Deutschen Enzians und die Ried-Knotenameise. Das Weibchen des Kleinen Moorbläulings legt seine Eier einzeln auf die Blütenknospen, die deutlich sichtbar sind und auf den ersten Blick den Anschein eines Pilzbefalls erwecken. Nach gut zwei Wochen schlüpfen die Raupen und fressen sich in den Fruchtstand der Wirtspflanze. Nach weiteren drei bis vier Wochen lassen sie sich auf den Boden fallen, wo sie sich mithilfe des Sexuallockstoffs der Ried-Knotenameise von den Arbeiterinnen der Ameise «adoptieren» lassen. Im Nest werden die Raupen von den Ameisen über den Winter sogar bevorzugt gefüttert und verpuppen sich im Frühling in der Nähe der Erdoberfläche, in den sogenannten «Solarien» des Ameisennests. Im Sommer schlüpft dann der Schmetterling.

Erfolgsmeldungen

Seit einigen Jahren hat sich das Naturnetz Pfannenstil zusammen mit dem «Verein Schmetterlingsförderung im Kanton Zürich» für den seltenen und bedrohten Tagfalter am Pfannenstiel eingesetzt. So wurde in verschiedenen Riedwiesen der für die Hauptnahrungsquelle und die Eiablage wichtige und im Mittelland seltene Lungen-Enzian angesiedelt. «Unsere Erfolgskontrollen auf den bepflanzten Flächen offenbaren, dass die Blüten des Enzians vom Kleinen Moorbläuling nun vermehrt zur Eiablage genutzt werden», sagt Christian Wiskemann. Auch die ökologische Renaturierung mit dem Flachmoor in der «Guldenen» der Gemeinde Maur zeige, dass eine der Zielvorgaben «Vorkommen Lungen-Enzian» erreicht wurde. Der seltene Tagfalter hat hier offensichtlich einen neuen, geeigneten Lebensraum dank des Lungen-Enzians gefunden.

Fördermassnahmen für den Kleinen Moorbläuling

Im Jahre 1998 wurde das Projekt Naturnetz Pfannenstil von der Zürcher Planungsgruppe Pfannenstil ins Leben gerufen. Es soll helfen, das Naturschutz- Gesamtkonzept des Kantons Zürich und die ökologische Vernetzung laut regionalem Richtplan umzusetzen. Bauern und Förster der Region arbeiten auf freiwilliger Basis mit dem Netz zusammen.

So hat sich das Naturnetz Pfannenstil erfolgreich für den Tagfalter Kleiner Moorbläuling eingesetzt. Dieser gilt nämlich laut Roter Liste bedrohter Arten als «stark gefährdet». Folgende Fördermassnahmen sollen auch künftig am Pfannenstiel am Zürichsee berücksichtigt werden:

  • Ansaat des Lungen-Enzians in bestehenden Flachmooren.
  • Verhandlung und Sensibilisierung der Bewirtschafter und Anpassung Mähregime in Mooren mit Lungenenzian-Vorkommen.
  • Renaturierung «Guldenen» und die Begründung neuer Lungen-Enzianbestände.
  • Auslichtung von Tagfalter-Wanderkorridoren durch dichte Waldbestände. (hpn)

Schmetterlinge vor der Haustüre

Mit einer schmetterlingsfreundlichen Bepflanzung können im eigenen Garten oder auf dem Balkon vermehrt Schmetterlinge beobachtet und gefördert werden. Wie, das zeigt das praxisnahe und mit viel Hintergrundwissen verfasste Merkblatt der Pro Natura: «Schmetterlinge im Garten kennen und fördern», Merkblatt 20, Art. Nr. 4256. (hpn)

Bestelladresse: Pro Natura, Shop, Postfach, 4018 Basel, Tel. 061 317 91 91, e-mail: shopnoSpam@pronatura.noSpamch, oder: www.pronatura.ch, Rubrik «Shop». Preis: fünf Franken.

 

Mehr Infos: www.naturnetz-pfannenstil.ch 

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