Revitalisierungen

Im Kanton Zürich befinden sich rund die Hälfte der etwa 3‘600 Kilometer Fliessgewässer in einem schlechten Zustand. Unsere Bäche und Flüsse müssen dringend wiederbelebt (revitalisiert) werden, damit Tiere wie Nase, Eisvogel und Fledermaus wieder ein Zuhause finden.

Im 19. und 20. Jahrhundert wurden viele Seen, Flüsse, Bäche und Feuchtgebiete verbaut, kanalisiert oder trockengelegt. Dies hatte katastrophale Folgen für den Wasserhaushalt und für viele Tier- und Pflanzenarten. Mit der Zeit erkannte man jedoch, dass nicht nur die Hochwassersicherheit, sondern auch die Naturvielfalt verbessert werden kann, wenn den Flüssen mehr Platz zur Verfügung gestellt wird. So arbeitet der WWF Zürich an verschiedenen Aufwertungs- und Revitalisierungsprojekten im Kanton Zürich mit.

Natürliche Gewässer bedeuten Vielfalt

Ein natürliches Gewässer bietet Lebensraum für Fische wie die Nase. Sie ernährt sich von Algen, die sie mit ihrer scharfen Unterlippe von den Steinen am Untergrund abgrast. Die Nase hat je nach Alter verschiedene Ansprüche: Sie benötigt stark strömendes, flaches Wasser und kiesigen Untergrund fürs Laichen, stille Wasser für die Entwicklung der Larven und Rückzugsorte unter totem Holz oder in Wasserpflanzen. Der Eisvogel ist für seine Bruthöhlen auf steile Uferböschungen aus Lehm oder festem Sand angewiesen. Amphibien wie die Gelbbauchunke fühlen sich vor allem in flachen, sonnigen Tümpeln wohl, die sporadisch austrocknen.

Eine natürliche Flusslandschaft bietet alle diese verschiedenen Lebensräume. Erhält der Fluss oder Bach genügend Raum, kann sich eine natürliche Dynamik entwickeln, die eine grosse Strukturvielfalt hervorbringt: Es entstehen steile und flache Ufer, Fliessgeschwindigkeiten und Wassertiefen ändern sich fortwährend. Teile der Flusslandschaft werden häufig, andere selten oder nie überschwemmt. Dies führt immer wieder zu einer Neubildung von Lebensräumen und Pionierstandorten. Und so kann sich eine Vielzahl an Tier- und Pflanzenarten ansiedeln.   

Das tun wir

Thurauen

Der WWF Zürich ist in der Begleitkommission des Projekts «Hochwasserschutz und Auenlandschaft Thurmündung» (Thurauen) vertreten. Die Thurauen sind das grösste zusammenhängende Auengebiet im Schweizer Mittelland. Seit 2008 werden die letzten Kilometer der Thur vor der Mündung in den Rhein revitalisiert: Die Thur erhält ein natürliches Flussbett.

Der Fluss kann wieder Schleifen (Mäander) bilden und bei Hochwasser die Auenlandschaft überfluten. Zusammen mit ökologischen Aufwertungen im Uferbereich und Auenwald entstehen neue Lebensräume für viele seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Die neu entstandenen Tümpel bieten Lebensraum für Amphibien und Wasservögel, Buchten bilden Rückzugsorte für Fische. Auch der Biber liebt die neu geschaffene Welt im Auenwald. In den Abendstunden kann man ihn mit etwas Glück beobachten.

Das Projekt vereint drei Ziele: mehr Hochwasserschutz, mehr Natur, mehr Erholung. Neben der Aufwertung der Auenlandschaft wird auch der Hochwasserschutz für Ellikon am Rhein erhöht, die Produktionsbedingungen für die Landwirtschaft im Flaacherfeld verbessert, und die Thurauen werden für die Erholungssuchenden attraktiver gestaltet, wobei eine Entflechtung der Interessen von Mensch und Natur angestrebt wird. Die Umsetzung des Projekts geschieht in zwei Etappen und soll spätestens 2020 beendet sein. 

Limmatauen Werdhölzli

Mit einer Reihe von Massnahmen wurden neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen geschaffen, der Hochwasserschutz verbessert und die Erholungsqualität erhöht. Im September 2012 nach acht Jahren Projektierung erfolgte der Spatenstich, und nur ein Jahr später im September 2013 konnten die revitalisierten Limmatauen Werdhölzli wieder eröffnet werden.

Für die Besucherinnen und Besucher der Limmatauen Werdhölzli stehen Informationstafeln zur Verfügung, und ein Steg mit interaktiven Elementen mitten durch den Auenwald gibt einen wunderbaren Einblick in den Auen-Lebensraum.

Der WWF hat sich in Kooperation mit der Zürcher Kantonalbank für die Realisierung der Limmatauen Werdhölzli eingesetzt. Die Leitung dieses Grossprojekts lag bei der kantonalen Baudirektion. Ebenfalls beteiligt waren die Stadt Zürich, die Gemeinde Oberengstringen, das Bundesamt für Umwelt BAFU und der naturemade star-Fonds der ewz.  

Das können Sie tun

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