Ein Blick zurück
Fünfzehn Jahre nach der Gründung des WWF International im April 1961 und des WWF Schweiz im Dezember 1961 entstand am 27. März 1976 mit dem WWF Zürich die achte kantonale Sektion. Zu unserem 50-jährigen Jubiläum sind wir ins Archiv gestiegen und haben für Sie Meilensteine aus fünf Jahrzehnten aufbereitet. Tauchen Sie mit uns ein in die Geschichte des WWF Zürich.
2025: Ein Meilenstein für den Gewässerschutz
Das Bundesgericht gibt dem WWF recht: Eine Überbauung in Kollbrunn darf so nicht gebaut werden, da der gesetzlich vorgeschriebene Gewässerraum der Töss nicht korrekt ausgeschieden wurde. Das Urteil stärkt den Schutz unserer Flüsse und zeigt: Umweltrecht ist nicht verhandelbar. Dank dem Einsatz des WWF wird der Gewässerschutz nun korrekt angewendet – ein wichtiger Schritt für Biodiversität, Hochwassersicherheit und eine naturverträgliche Planung in der ganzen Schweiz.
2025: Grundlagen für Quellenschutz
Quellen sind seltene, oft vergessene Lebensräume – und für spezialisierte Arten wie Köcherfliegen oder den Feuersalamander überlebenswichtig. Der WWF Zürich hat deshalb während sechs Jahren zusammen mit dem Kanton und 59 Freiwilligen 1300 Quellen erfasst und ihren Zustand dokumentiert. Das neue Quelleninventar ist nun auf dem GIS-Browser des Kantons Zürich aufgeführt, dem zentralen Karten- und Informationsportal für alle öffentlich zugänglichen Geodaten des Kantons. Es schafft die Grundlage, um diese wertvollen, gefährdeten Lebensräume besser zu schützen und gezielt Revitalisierungen anzustossen.
2024: Gerichtsentscheid für 250 Jahre alte Eichen
Gegen den Gestaltungsplan für die Deponie Chalberhau haben die drei kantonalen Umweltverbände WWF, Pro Natura und Birdlife Rekurs erhoben: Die geplante Deponieerweiterung würde zur Rodung eines ökologisch äusserst wertvollen Alt-Eichen-Waldes führen – ein Lebensraum, der im Kanton Zürich einzigartig und schweizweit selten ist. Ein Ersatz ist unmöglich. Mit der Rodung würden Arten der Roten Liste unwiederbringlich verschwinden. Angesichts der Biodiversitätskrise wäre ein solcher Eingriff verheerend und unverhältnismässig. Das Baurekursgericht heisst den Rekurs gut.
2023: Ja zum Klimaschutzgesetz
Die Stimmbevölkerung sagt mit einem beeindruckenden Ja-Anteil von 59 Prozent klar Ja zum nationalen Klimaschutzgesetz. Dieses weist den Weg zu Netto-Null-Treibhausgasemissionen und unterstützt Unternehmen wie Privatpersonen auf ihrem Weg zur Klimaverträglichkeit ohne neue Verbote oder Abgaben. Der WWF Zürich baute dafür ein breit abgestütztes Komitee auf, getragen von Vertreter:innen aus Politik, Wirtschaft und Umwelt, verteilte Flyer, platzierte Plakate und Fahnen und brachte seine Argumente in Leserbriefen ein. Dieses starke Engagement hat wesentlich zum deutlichen Abstimmungserfolg beigetragen.
2023: Mehr Raum für die Reuss ‒ Gericht stärkt Gewässerschutz
Die Reuss bei Ottenbach durchfliesst ein ökologisch äusserst wertvolles Gebiet von einzigartiger Qualität und Vielfalt. Der WWF Zürich setzte sich erfolgreich dafür ein, dass das national bedeutende Flachmoor und Auengebiet besser geschützt wird. Die Behörden hatten den Gewässerraum zu knapp bemessen – ohne ausreichende Pufferzone gegen Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft. Das Gericht gibt dem WWF recht: In ökologisch sensiblen Gebieten muss der Gewässerraum so vergrössert werden, dass er die Funktionen von Pufferzonen übernimmt und die Biotope wirksam schützt. Dieses Urteil schafft Klarheit und stärkt die ökologischen Funktionen der Gewässerräume.
2022: Ein neues Naturzentrum
Der WWF Zürich, die Pädagogische Hochschule Zürich, die Zürcher Hochschulen für Angewandte Wissenschaften und die Stiftung Pestalozzianum unterzeichnen einen Letter of Intent und geben damit den Startschuss für ein gemeinsames Nachhaltigkeitszentrum auf der Halbinsel Au bei Wädenswil. Herzstück wird das vom WWF entwickelte Naturzentrum Zürichsee im historischen Kutscherhaus. Dort werden zentrale Natur- und Umweltthemen mit Fokus auf Wasser als Naturelement, Lebensraum und Ressource erlebbar. Das Naturzentrum Zürichsee lädt dazu ein, Natur zu entdecken, Dialoge zu führen und eigene Handlungsmöglichkeiten zu erkennen.
2021: 63 Prozent der Zürcher:innen für nachhaltiges Energiegesetz
Mit dem deutlichen Ja zum neuen Zürcher Energiegesetz setzt die Bevölkerung ein starkes Signal: Zürich macht den Weg frei für eine CO₂-freie Wärmeversorgung. Noch rund 120 000 fossile Heizungen verursachen 40 Prozent der kantonalen Emissionen; neue Vorgaben für Neubauten und Heizungsersatz bringen nun den klimaneutralen Umbau voran. Der WWF Zürich hat diesen Erfolg in einer breiten Allianz wesentlich mitgestaltet. Mit dem neuen Gesetz leistet Zürich einen entscheidenden Beitrag zum Klimaschutz – und setzt einen Impuls weit über den Kanton hinaus.
2020: Mehr Mittel für den Naturschutz im Kanton Zürich
Der Kantonsrat nimmt mit klarer Mehrheit den Gegenvorschlag zur Natur-Initiative an – ein wichtiger Schritt für den Schutz unserer Lebensgrundlagen. Die kantonalen Umweltverbände hatten die Initiative 2018 lanciert. Künftig fliessen jährlich 50 bis 80 Millionen Franken in den Natur- und Heimatschutzfonds. Dies ist zwar deutlich mehr als bisher, aber immer noch nur das notwendige Minimum, um den rasch fortschreitenden Verlust der Biodiversität wirksam zu bremsen. Die breite Unterstützung zeigt: Der Erhalt der natürlichen Vielfalt ist eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe.
2019: Rekorde bei WWF-Schulbesuchen
In den Schulen des ganzen Kantons Zürich finden so viele WWF-Schulbesuche wie nie zuvor statt. 302 Schulklassen aller Stufen (Kindergarten bis Oberstufe) und insgesamt 6034 Schüler:innen befassen sich je einen halben Tag lang mit Eisbär, Biene oder Meeresschildkröte und ihren Lebensräumen. Passend zur weltweiten Klimabewegung werden die meisten Schulbesuche zum Thema Klimawandel gewählt.
2018: Wettbewerb um die schönste Wiese
Der WWF Zürich startet die «Wiesenmeisterschaften», die während drei Jahren in verschiedenen Regionen des Kantons durchgeführt werden. Das Projekt soll auf den ökologischen und landschaftlichen Wert artenreicher Wiesen aufmerksam machen. Während intensiv genutzte Fettwiesen artenarm sind, beherbergen seltene Magerwiesen bis zu 40 Prozent der Schweizer Pflanzenarten und bieten Lebensraum für unzählige Insekten. Von 2018 bis 2020 nehmen insgesamt 147 Betriebe mit rund 300 Wiesen teil. An der jährlich stattfindenden Prämierungsfeier werden die Sieger für ihr ökologisches Engagement geehrt.
2018: «Aktiv auf dem Bauernhof»
Mit dem neuen Programm «Aktiv auf dem Bauernhof» setzt der WWF Zürich einen starken Impuls für mehr Biodiversität im Kulturland. An sieben Samstagen packen 32 engagierte Freiwillige auf verschiedenen Bauernhöfen mit an: Sie pflegen Hecken, jäten Naturschutzflächen oder legen Kleinstrukturen an und leisten damit einen direkten Beitrag zur Förderung wertvoller Lebensräume. Das Pilotprojekt überzeugt auf ganzer Linie: Die Freiwilligen vertiefen ihr Naturwissen und erleben Landwirtschaft aus erster Hand, während die Bauernfamilien spürbar entlastet werden. Seit dem erfolgreichen Start 2018 führt der WWF Zürich das Programm weiter, später unter dem Namen «Natur verbindet».
2017: Mehr Schutz für das Flachmoor Uster
Die kantonalen Umweltverbände reichen Beschwerde gegen die Schutzverordnung Uster ein: Das Flachmoor von nationaler Bedeutung sei nicht korrekt abgegrenzt worden und es fehlten ausreichende ökologische Pufferzonen. Ein Jahr später heisst das Gericht die Beschwerde gut: Der Kanton muss den Moorperimeter erweitern und eine Nährstoffpufferzone ausscheiden. Hydrologische und Störungspufferzonen müssen fachgutachterlich geprüft und nötigenfalls festgesetzt werden. Nur so können die Moorflächen vor negativen Einflüssen aus der näheren Umgebung abgeschirmt werden.
2016: Visionen für die nächsten 40 Jahre
Zu seinem 40-jährigen Bestehen stellt sich der WWF Zürich die Frage, wie der Kanton in weiteren vier Jahrzehnten aussehen könnte. Es entsteht das Jubiläumsposter von Adrian Tobler mit Insektenfarmen, Turmgärten und Tauschbörsen in der Stadt, mit frei fliessenden Flüssen sowie einer vielfältigen, naturnahen Kulturlandschaft. Nicht alles ist wörtlich zu nehmen – und doch zeigen die Illustrationen, wie viele Möglichkeiten wir haben, unsere Zukunft nachhaltig, lebenswert und liebenswert zu gestalten. Diese Visionen sollen uns in den kommenden Jahren begleiten und inspirieren.
2015: Ein offenes Bachbett für den Honaspbach
In Lindau entsteht das Bildungs- und Forschungszentrum Agrovet-Strickhof. Dafür muss der Honaspbach verlegt werden. Ursprünglich war vorgesehen, den Bach am neuen Standort weitgehend einzudolen. Doch das Gewässerschutzgesetz verlangt, dass ein Gewässer nach einer solchen Verlegung offen geführt wird. Dank der Einsprache von WWF Zürich, Pro Natura und BirdLife wird der Bach nun wieder an die Oberfläche geholt. Natürlich fliessende Kleinbäche sind wertvolle Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten und bilden wichtige ökologische Vernetzungsachsen. Sie werten die Landschaft auf und schaffen zudem attraktive Erholungsräume für die Bevölkerung.
2015: Kompromiss für Strassenverlegung Eigental
Die Durchfahrt durch die Eigentalstrasse wurde 2013 aus Sicherheitsgründen für den motorisierten Verkehr verboten. Da sie Lebensräume von nationaler Bedeutung berührt, setzten sich die kantonalen Umweltverbände für eine dauerhafte Sperrung ein. An einem Runden Tisch mit Kanton, Gemeinden und Interessenvertreter:innen wird ein Kompromiss errungen: Die Strasse wird vorerst saniert und geöffnet, bis flankierende Massnahmen auf der Umfahrungsroute umgesetzt sind. Nach spätestens zehn Jahren jedoch wird sie endgültig für Autos geschlossen und als kantonaler Radweg erhalten. Somit kann dieses einmalige Naturjuwel langfristig erhalten und geschützt werden – ein Gewinn für Natur und Erholung.
2014: Sonnenklar – Ja zu Zürcher Energiezonen
Die Zürcher Bevölkerung stimmt der Revision des Planungs- und Baugesetzes mit 55 Prozent zu. Neu können die Gemeinden Energiezonen festlegen, in denen ein höherer Anteil an erneuerbarer Energie genutzt werden muss. Dieser wichtige Abstimmungssieg gelingt dank der guten Zusammenarbeit zwischen zahlreichen bürgerlichen Vertreter:innen, Unternehmen aus dem Bereich erneuerbare Energien, Umweltorganisationen und den Mitte- und Linksparteien. Der WWF führte die erfolgreiche Kampagne.
2013: Aufwertung Limmatauen
Der Kanton Zürich schliesst die Revitalisierung der Limmat zwischen Höngg und Oberengstringen erfolgreich ab. Die neuen Limmatauen Werdhölzli verbinden Hochwasserschutz, Ökologie und Erholung: Naturnahe Flachufer, Kiesbänke, Stein- und Baumstrukturen schaffen neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Verbesserte Zugänge zum Wasser und ein Erlebnissteg machen den 1,8 Kilometer Abschnitt zu einem wichtigen Natur- und Erholungsraum. Der WWF hat das Projekt fachlich begleitet und wirkt an der Eröffnungsfeier mit. Zudem führt er anlässlich des europäischen Flussbadetages auf der Werdinsel die Aktion «Big Jump» durch, bei der rund 120 Personen in die Limmat springen und ein Zeichen für lebendige Gewässer setzen.
2012: Mehr Biodiversität für den Zürcher Burghölzlihügel
Die freiwillige WWF-Regionalgruppe Zürich ruft das Projekt «Lebensraum Kulturlandschaft Burghölzli» ins Leben, mit dem Ziel, die Naturvielfalt in den Zürcher Stadtkreisen 7 und 8 zu erhalten und zu fördern. Als Erstes erfassen Fachleute den aktuellen Bestand verschiedener Tier- und Pflanzenarten und entwickeln Aufwertungs- und Schutzmassnahmen. Über 125 Massnahmen sollen den Rückgang der Arten stoppen. Bevölkerung und lokale Akteur:innen werden aktiv in die Umsetzung einbezogen, um die langfristige Sicherung der Naturvielfalt zu gewährleisten. Bereits im ersten Jahr finden drei Pflegeeinsätze, Exkursionen und Verkaufsaktionen von Nisthilfen für Wildbienen statt. Seit Ende 2017 wird das sehr erfolgreiche Projekt durch den Förderverein «Natur im Siedlungsraum» (NimS) weitergeführt.
2011: Energiewende in den Gemeinden
Der WWF organisiert gemeinsam mit der Energiestadt Adliswil vier Energieveranstaltungen, um die Bevölkerung zum konkreten Handeln zu motivieren. Der Film «Home» bildet einen starken Auftakt, gefolgt von praxisnahen Anlässen zu bewusstem Lebensstil, energetischen Sanierungen und erneuerbaren Energien – jeweils mit klaren Einspar- und Umsetzungsmöglichkeiten. Mit dem neuen WWF-Projekt «Erneuern Sie Ihre Gemeinde» und einer Klimaverantwortlichen beim WWF Zürich wird die Sensibilisierung für mehr Energieeffizienz und erneuerbare Energien weiter vorangetrieben.
2010: Biodiversitätsförderung im Kirchengarten
Im Jahr der Biodiversität 2010 lanciert der WWF Zürich gemeinsam mit dem damaligen Verband der stadtzürcherischen evangelisch-reformierten Kirchgemeinden das Projekt «Biodiversität in Grünanlagen». Mit dem Pilotprojekt Kirche Enge wird ein sichtbarer Anfang gemacht: Ehemals artenarme Rasenflächen werden in blühende einheimische Wiesen verwandelt. Diese neuen Lebensräume fördern Schmetterlinge und Insekten, stärken die Natur im Siedlungsraum – und schaffen zugleich attraktive Erholungsräume für die Menschen.
2009: Klimastand am Zürcher Umwelttag
Am Zürcher Umwelttag vom 20. Juni präsentieren der WWF Zürich und der Schweizerische Versicherungsverband einen gemeinsamen Klimastand mit Wasserdegustation. 240 Personen probieren Leitungs- und Mineralwasser und erfahren dabei, wie viel schlechter die Ökobilanz von Wasser in PET-Flaschen im Vergleich zu Hahnenwasser ausfällt. Der WWF Zürich ist jedes Jahr an verschiedenen Anlässen präsent, um die Bevölkerung wirksam für Natur- und Umweltthemen zu sensibilisieren.
2008: Klares Ja zum Verbandsbeschwerderecht
Eine Initiative der Zürcher FDP zielte direkt auf das Verbandsbeschwerderecht der Umweltorganisationen – und hätte dessen faktische Abschaffung bedeutet. Der WWF Zürich engagiert sich entschlossen im Zürcher Komitee und bei zahlreichen Strassenaktionen, um dieses wichtige Instrument des Naturschutzes zu verteidigen. Mit Erfolg: 66 Prozent der Stimmberechtigten lehnen die Vorlage ab, auch alle Kantone stimmen dagegen. Dieses deutliche Resultat stärkt das Vertrauen in die Arbeit der Umweltverbände und sendet ein klares Signal an die Politik: Am Verbandsbeschwerderecht darf nicht gerüttelt werden.
Fortführung folgt.


